Alltag

Wie Eltern und Kleinkinder die Schreiphase am besten meistern

Wir alle kennen die Pubertät im Jugendalter. Doch was ist mit der Kleinkindpubertät? Das Kleinkind wirft sich auf den Boden, strampelt und schreit. Es stößt sich dabei beinahe den Kopf an der Wand, da es so außer sich ist. Und wir Eltern wissen erst einmal gar nicht, was los ist. Wir versuchen das Kind zu beruhigen und zu besänftigen. Doch nichts scheint zu helfen. Und wir wissen auch gar nicht so genau, was es hat. Euer Herz schlägt immer schneller… und ihr fragt euch, wann es endlich zu Ende geht.

Ihr habt gerade die erste richtige Trotzphase bzw. Autonomiephase eures kleinen, süßen Kindes erlebt. Meist beginnt sie rund um den 18. Lebensmonat. Das Kind testet seine Grenzen aus und möchte immer selbstständiger werden. Doch leider kann es noch nicht alles, was es möchtet. Und da es die Sprache noch nicht voll und ganz beherrscht, wird es hier und da von den Eltern missverstanden. Traurigkeit, Frust, Angst… das Kind lässt sich von seinen Emotionen mitreißen, und kann sie noch nicht kontrollieren.

Verhalten bei einem Wutanfall

Erst einmal mehrere tiefe Atemzüge nehmen, oder das Mantra „Om“ summen, um ruhiger zu werden. Dann versuchen das Kind zu besänftigen, indem man ruhig mit ihm redet, leise singt oder die Lieblingspuppe dazu holt und fragt, ob sie helfen kann. Besänftigen durch Streicheln oder auf dem Arm nehmen, hat bei uns nichts gebracht, aber jedes Kind ist anders. Wenn das alles nicht hilft, ist es manchmal gut das Kind aus der Situation rauszuholen und den Ort zu wechseln. Haltet ihr es gerade nicht mehr aus, könnt ihr auch Abstand nehmen. Verlasst ihr jedoch den Raum, dann erklärt dem Kind vorher kurz warum. Gebt aber auf jeden Fall nicht nach, und überspielt die Situation nicht mit „lachen“. Ablenkung ist ab und zu in Ordnung, sollte aber nicht zur Standardstrategie werden.

Meine Tochter stand einmal während eines Wutanfalls an unserer Wohnungstür, hat geweint und die ganze Zeit „Auto, Auto, Auto“ geschrien. Nach 10 Minuten bin ich auf die Idee gekommen zu fragen „Möchtest du mit Kindern spielen?“. Dann sagte sie weinerlich „Ja“. Mit Auto meinte sie, wir sollen zurück zum Auto, den Kinderwagen rausholen und wieder zurück zur Spielgruppe fahren.

Gründe für das Schreien eines Kleinkindes

Nicht jedes Geschrei ist dem Trotzen zuzuschreiben. Generell kann man sagen, dass Kleinkinder nörgeln, quengeln, weinen und schreien, wenn…

  1. der Zahn durchbricht,
  2. sie fallen oder stürzen,
  3. sie nach der Spielgruppe/Spielplatz nicht nach Hause gehen wollen,
  4. sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten,
  5. sie unbedingt etwas haben wollen, es aber nicht bekommen,
  6. sie etwas selbst machen wollen, was sie aber nicht können,
  7. sie nicht angezogen oder gewickelt werden möchten,
  8. sie müde oder hungrig sind,
  9. sie weiter gestillt werden wollen.

Manchmal ist es auch eine Mischung aus mehreren Punkten, die dann in einen Wutanfall enden.

Wie das Schreien weniger werden kann

Greifen wir mal die Hauptthemen auf:

SCHMERZ

Hat ein Kind schmerzen, möchte es zu allererst getröstet und auf den Arm genommen werden. Beruhigen können auch ein Schnuller, die Brust der Mutter und sanftes Streicheln über Kopf oder Rücken. Bei kleinen Stürzen wirkt das uralte Heilmittel „Pusten“ oft wie ein Wunder. Manchmal erschrecken die Kinder sich auch nur, und haben sich gar nicht wirklich weh getan.

Als meine Tochter starke Zahnschmerzen hatte, habe ich ihr Zahnöl der Bahnhof-Apotheke auf die Wangen gerieben, Chamomilla Kügelchen gegeben und Dentiox-Gel auf den Gaumen gerieben. Dies plus Stillen und eine kalte Möhre oder einen Beißring hat meistens geholfen. Ach ja, eigentlich vermeide ich bei meiner Tochter soweit es geht Zucker, doch in so einer Situation habe ich mal eine Ausnahme gemacht und ihr Eis zum Kühlen gegeben. Das war lecker und hat abgelenkt.

WILLE

Kinder können sehr lange auf etwas beharren, bis sie ihren Willen bekommen. Die Frage, die wir Eltern uns dann stellen ist, soll ich meinem Kind den Wunsch erfüllen oder nicht. Überlegt euch vorher ein paar Regeln, was und wie viel ok ist. Zeigt Grenzen auf, und bleibt dann auch dabei. Redet mit euren Kindern und findet gemeinsam Kompromisse. Bei gefährlichen Situationen heißt es aber immer ganz klar NEIN.

Hier ein paar Beispiele:
– Die heiße Tasse Kaffee gehört dem Papa und ist Tabu. Aber das Kind darf aus dem Glas Wasser trinken.
– Das Kind möchte nach dem 3. noch einen 4. und 5. Keks. Die Regel könnte lauten 3 Kekse und danach gibt es Obst, wenn du noch Hunger hast. Oder vor dem Mittags- oder Abendessen gibt es keine Kekse.
– Das Kind möchte, dass man mit einem spielt, aber wir möchten im Haushalt ein paar Dinge erledigen. Der Kompromiss könnte sein, wir spielen eine halbe Stunde zusammen, und dann räumt Mama die Küche auf.

Die Quengelei vom Kind lässt sich auch vermeiden, indem man Dinge, die es nicht haben soll, einfach wegstellt. Den Supermarkteinkauf ohne Kind erledigt. Nicht eine halbe sondern zwei Stunden auf dem Spielplatz bleibt, bis das Kind selbst keine Lust mehr hat und müde wird. Das Kind in den eigenen Alltag mit einbezieht und es so viel helfen lässt, wie es kann. Viel mit dem Kind redet und erklärt, und nach seinen Bedürfnissen fragt. Kinder verstehen viel mehr als ihr vielleicht denkt.

GRUNDBEDÜRFNIS

Hier möchte ich mit einem Beispiel starten. Ein Kleinkind geht während der Spielgruppe zur Tasche und möchte ein Brötchen herausholen. Die Mutter sagt laut: „Nein, das ist meine Tasche. Wir essen auch erst in 15 Minuten.“ Dazu möchte ich zwei Fragen stellen: „Wie viel soll ich meinem Kind verbieten? Wenn ein kleines Kind Hunger hat, sollte es das Essen nicht sofort bekommen?“.

Das ein Kind kein scharfes Messer in die Hand bekommen soll, oder kein Alkohol trinken soll, ist klar. Doch man sollte ihm nicht zu viel verbieten. Entweder ich stelle die Tasche außer Reichweite, oder es ist ok, dass mein Kind daran geht. Oder ich kaufe meinem Kind einen eigenen Rucksack mit seinem Essen drin.

Ein Kind sollte essen dürfen, wenn es Hunger hat. Wir halten uns selbst auch nicht immer an strenge Essenszeiten. Ab 1 Jahr sollte es auch vom Teller seiner Eltern probieren dürfen, es ist ja gerade in der Entdeckungsphase. Wenn es zu scharf gewürzt ist, dann beim nächsten Mal weniger würzen. Je mehr ein Kind darf, desto zufriedener ist es, und desto weniger wird es meckern und schreien. Nehmt die Bedürfnisse eures Kindes ernst und ignoriert sie nicht.

Zuletzt das große Thema Stillen. Es ist für die Kinder da, um ihren Durst und das Bedürfnis nach Nähe zu stillen. Habe ich als Mutter den festen Entschluss gefasst, dass ich nicht mehr stillen möchte, ist es nur ehrlich dies dem Kind so verständlich wie möglich mitzuteilen. Und mit dem Stillen aufzuhören, sobald sich eine gute Situation ergibt (keine Zahnschmerzen, Krankheit, etc.). Wie bei jeder Entwöhnung sollte man Alternativen finden, um die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen:
* bei Hunger und Durst: z.B. Bretzel, Banane oder Wasser anbieten
* Bedürfnis nach Nähe: Kuscheln, über Kopf oder Rücken streichen, Hand auf dem Kopf halten
* bei Trennungsangst: reden, beruhigen, singen, Kind in den Arm nehmen

Um das Schreien an den ersten Abstilltagen kommt man höchstwahrscheinlich dennoch nicht herum.

Wie Eltern das Schreien besser aushalten können

Wenn sein eigenes Kind weint und aus voller Seele schreit, tut es einem im Herzen weh. Doch gerade, wenn eine große Veränderung in eine neue Phase beginnt, kommt man um das Geschrei leider nicht drumherum. Dazu gehört zum Beispiel das Abstillen (tagsüber, beim Einschlafen, nachts), die Eingewöhnung in die Kita oder der Wechsel von den Windeln zum Töpfchen.

Bei der Umgewöhnung ist es wichtig, dass die Eltern den Übergang in die neue Phase gut überlegen und planen. Redet in Ruhe mit eurem Partner darüber, wie ihr vorgehen möchtet. Lest euch ein wenig in das Thema ein, und redet mit anderen Eltern oder Erziehern und lasst euch Tipps geben. Wenn man gut vorbereitet ist, ist man meist gelassener und diese Gelassenheit überträgt sich aufs Kind.

Was aber, wenn ihr Kind dann doch plötzlich schreit und nicht mehr aufhört? Man selbst aufgewühlt ist und nicht mehr klar denken kann? Für solche Situationen gibt es Rainbow Reiki ®. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, dass ich dadurch während der Schreiattacke viel gelassener bin, emotional Abstand nehme und mein Herz nicht mehr so rast. Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, schreibt mir gerne.

Foto: (C) Digital Photo and Design DigiPD.com / Pixabay

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